Wilhelm-Diess-Gymnasium feiert 30. Namenstag

Bereits als Fünftklässler des "Königlichen Gymnasiums in Passau" (heute Leopoldinum) eine Rektoratsstrafe wegen Unterschriftenfälschung samt Zeugnis-Bemerkung "nicht tadelfrei", schon in der sechsten (heute zehnten) Jahrgangsstufe sogar Klassen-Wiederholer: Obwohl nie ein Musterschüler, avancierte der begnadete Erzählkünstler, humorvoll-feinsinnige Schriftsteller sowie letztlich mit "gut" examinierte und wenig später promovierte Jurisprudenz-Studiosus Dr. jur. Wilhelm Diess am 1. August 1986 zum Namens-Patron des Pockinger Gymnasiums. Dieser Namenstag wurde jetzt mit einem Festakt an der Schule gefeiert.

"Auf den Spuren von Wilhelm Diess" zeichnete das "Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung im Fach Deutsch" unter Federführung von Studiendirektorin Maria Osterholzer anhand von Textzitaten aus gedruckten Diess-Fassungen, aus eigenen Schnappschüssen, aber auch PNP-Fotos (Jörg Schlegel) und Stadtarchiv-Bilder ein aussagekräftiges Wesensbild des Höhenstädter Lehrersbua. Daraus entstand ein schöner Kalender. Der für die Schüler aber viel Arbeit bedeutete. Von der Suche nach jahreszeitlich geeigneten Textquellen aus Diess-Werken samt Bildmaterial über die Titel-Findung bis zur Angebots-Einholung regionaler Druckereien sowie nicht zuletzt einer gewinnträchtigen Marketing- und Verkaufs-Strategie: Über dem Projekt-Seminar schwebte stets der Kalkulations-Kostendruck. Wertvolle Hilfestellung leisteten dabei die beiden Haus-Medienexperten Studiendirektor Dr. Arno Scherling und Informatiklehrer Markus Aicher.


Publikumswirksam präsentiert wurde der "Monats-Kalender 2017" bei der Feier am Donnerstagabend durch die zwischenzeitlichen "Q12-Seminaristen" Sarah Altendorfer, Maximiliane Bruckbauer, Leonie Brummer, Joshua Eberstein, Regina Gorst, Jessica Kreilinger, Annalena Mangold, Miriam Reiter, Annika Roßmeier, Zoe Schwarz, Theresa Steidele sowie Anna-Lena Himmler und Johann Lorenz – die beiden Letzteren zugleich auch Autoren eines Begleittextes über den "Wilhelm Diess"-Kalender sowie die ganz spezielle Bedeutung des 1957 verstorbenen Patrons für das namensgleiche Pockinger Gymnasiums.
"Vor drei Jahrzehnten plädierten alle relevanten Schul- und Elterngremien samt Landkreis Passau geschlossen für die Namensgebung zum Wilhelm-Diess-Gymnasium – ein Vorschlag, der auch von der Diess-Nachkommenschaft begeistert geteilt wurde", hielt Oberstudiendirektor Martin Thalhammer während des Festaktes Rückschau auf ein Ereignis, dem die Bildhauerin Ursula Kremser-Diess mit einer Bronze-Büste plus Gedenktafel für ihren Vater "bleibenden Erinnerungscharakter verliehen" habe. Zur großen Schar von Gästen der damaligen Einweihungs- wie heutigen Jubiläumsfeier zählte Thalhammer neben Schulleiter OStD a.D. Franz Ullmann und Elternbeiratsvorsitzenden Helmut Voggesberger auch Ex-Kurseelsorger Monsignore Dr. Rudolf Weiß, Ex-Landrat Hanns Dorfner sowie speziell auch Ex-Schülersprecherin Studiendirektorin Hedi Maskos – letztere mittlerweile selbst stellvertretende Schulleiterin. Begrüßungsbeifall gab es auch für Stadtpfarrer Alois Reiter mit den Seelsorge-Kollegen Andreas Baumann und Josef Bader, Bürgermeister Franz Krah mit Amtsvorgänger Josef Jakob, Sachgebietsleiterin Eva Schwarz (Landratsamt), Marktdirektor Hans Gruber (VR-Bank) und Regionaldirektor Hans-Rudolf Dorfner (Sparkasse), die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Birgit Ragaller-List mit Fördervereins-Vorsitzender Barbara Birner, StD a.D. Rudolf Zwicklbauer sowie Hermine Resch als "gute Seele der Verwaltung".

"Ein eigener Mensch: Mit diesem Buchtitel konkretisierte Wilhelm Diess bereits vor Generationen das erklärte Bildungsziel unserer Schulen bei der Schaffung eigener Persönlichkeiten", so stellvertretender Landrat Raimund Kneidinger. Eine "hoamat-verbundene Note" verlieh dem launigen Festakt der WDG-Lehrerchor unter Leitung von Studienrat Georg Scholler mit authentischem "Feldblumen"-Liedmaterial von Wilhelm Diess. Auf der "Steirischen" begeisterte zwischendurch Q12-Solist Johann Lorenz.

Der Akademische Universitäts-Direktor Dr. Hans Göttler dokumentierte die Namensgebung von der "Privaten Realschule Pocking" über die "Realschule Pocking staatlich anerkannt" (ab Januar 1958/28 Mark) und "Oberrealschule (Klassen eins bis sechs) Pocking" bis zum "Mathematisch-naturwissenschaftlichen und Neusprachlichen Gymnasium Pocking" (Schuljahr 1965/66). "Die Humanitäts-Fahne stets hochgehalten und weiß-blau eingerahmt: Von den zahlreichen Diess-Geschichten können sich vor allem auch jüngere Leute noch eine gehörige Scheibe abschneiden", zollte der "selbst ernannte Wilhelm-Diess-Stellvertreter auf Erden" den Pockinger Schülern wie Schulgremien höchste Anerkennung für eine gebührende Jubiläumsfeier. In seiner kabarettistisch-heiteren Stegreif-Rede widmete Dr. Hans Göttler "seinen erst kürzlich erhaltenen Turmschreiber-Poetentaler symbolisch dem Kalender-Projekt des P-Seminars".

Wesentlich nachdenklichere Töne prägten den Göttler-Diskurs mit Diess-Enkel Professor Dr. Johannes Kremser – vor allem durch den zwischenzeitlich verbürgten Nachweis, dass dessen Großvater als unmittelbarer Dienstvorgesetzter auch einen "Gefreiten namens Adolf Hitler befehligt" habe. Dessen spätere Einladung zu einem "vaterländischen Veteranen-Treffen" habe der Oberleutnant a.D. mit der persönlichen Erklärung gegenüber dem "Führer" schroff abgewiesen: "Naa, Hitler, zu dir kimm i g’wiß net!" Nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich für den Wiederaufbau der Münchner Staatstheater verantwortlich sowie "gewählter Direktor der Abteilung Literatur an der Bayerischen Akademie der Schönen Künste", habe Dr. jur. Wilhelm Diess schließlich im Münchner Prominenten-Friedhof Bogenhausen an der Seite von Liesl Karlstadt und "Monaco Franze" (Helmut Fischer) seine letzte Ruhe gefunden.

Nov.  2016 / PNP von Hans Nöbauer

zurück


 

© WDG - Pocking

aktualisiert: 01.12.2016