BR-Studio-Chef besucht Rhetorikkurs am Gymnasium Pocking

„Glaubst du eigentlich Nachrichten, die in Medien verbreitet werden?“ fragt Gerhard Schiechel in die Runde der Oberstufenschüler. Der Studiochef aus Regensburg, zuständig für Niederbayern und die Oberpfalz, redet Klartext mit den Schülern.

„ `Medienmisstrauen´ ist ein Programm des Bayerischen Rundfunks, das uns gerade recht kommt im Rhetorikkurs“, zeigt sich Kursleiter Stephan Wrana begeistert. „Inhalt, Darstellung und Bewertung in Bild und Wort sind entscheidend für die Informationsentnahme aus einem Text oder Vortrag“, so der Rhetoriklehrer Wrana.

Der Schüler Oliver zeigt sich kritisch: „Wollen Journalisten eigentlich nur möglichst gut verkaufen?“ Darauf geht BR-Profi Schiechel ausführlich ein. Er erklärt die Entwicklung des dualen Rundfunks in den letzten 30 Jahren: „Ja, Medienmachen ist Geschäftsbetrieb. Auch Zeitungen werden erst einmal gemacht, um Geld zu verdienen, auch die Privatsender gehören Verlagen oder Gesellschaften, die damit Geld verdienen. Der Bayerische Rundfunk ist aber gegründet worden, um ausgewogen und unabhängig zu informieren und zu berichten, was passiert.“

Den Art. 5 des Grundgesetzes erläutert der Studioleiter anschaulich an einem aktuellen Beispiel, dass niemand gezwungen werden kann, etwas Bestimmtes zu schreiben oder nicht, wenn er die journalistische Sorgfaltspflicht beachtet. „Natürlich suchen sich Journalisten das Wichtigste heraus“, bestätigt Gerhard Schiechel, „aber Meinung und Nachricht müssen trotzdem getrennt bleiben!“ Leon zeigt sich dennoch skeptisch: „Nachrichten sind heutzutage nicht mehr objektiv!“ „Ja, aber wertneutral, durchaus zugespitzt, frei und unabhängig“, gibt der Leiter des Regionalstudios Ostbayern unumwunden zu.

Neben Arbeitstechnik des Bayerischen Rundfunks in ganz Bayern, dem Werdegang eines Journalisten und dem öffentlich-rechtlichen Auftrag der Medien geht der BR-Redakteur noch auf viele weitere Schülerfragen ein und steht zum persönlichen Gespräch den Interessierten zur Verfügung: „Soll ich lieber erst studieren?“, will die 16-jährige Julia wissen. Lehrerin Nicole Erntl sieht im freien Vortrag des Profijournalisten einen großen Vorteil für die Rhetorikkursteilnehmer: „Diese zwei Stunden waren richtig interessant!“ Stephan Wrana betont, dass der Rhetorikkurs seit über zehn Jahren am Pockinger Gymnasium von Gästen von außen lebt, „damit kommen unsere Rhetoriker mit den wirklichen Anforderungen der freien Rede in Kontakt!“. Die Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk auf Initiative des schulischen Medienexperten Dr. Arno Scherling soll auch in Zukunft weiter ausgebaut werden.

Dez.  2015 / St. Wrana

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aktualisiert: 02.11.2016