Stratosphären-Misson ist gelungen (PNP vom 31.07.2017) von Dr. Arno Scherling


Lang hatte es nicht gut ausgesehen für den Wetterballonstart am Wilhelm-Diess-Gymnasium am Samstag vormittag. Banges Warten herrschte unter den Mitwirkenden und den angereisten Zuschauern. Immer wieder ging der Blick zum Himmel, der einfach zu wolkenverhangen für einen Start war. Doch dann, um 11.45 Uhr, kurz vor Ende des vom Luftamt Südbayern genehmigten Startfensters ging alles ganz schnell: Die Bewölkung hatte sich soweit verzogen, dass ein Start möglich war und das Team aus Funkamateuren der Ortsvereine Pocking und Passau des Deutschen Amateur Radio Clubs e.V. und Schülern des Q11-Geographiekurses des Wilhelm-Diess-Gymnasiums machten sich in Windeseile daran, den Ballon mit Helium zu füllen und die Wettersonde mit Sensoren für Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit startklar zu machen. Ein GPS-Empfänger flog ebenfalls mit genauso wie ein Funkmodul, das die Positionsdaten des Ballons ständig an die Bodenstation und das Verfolgerfahrzeug meldete. Schließlich sollte der Flugweg des Ballons ebenso wie seine Höhe aufgezeichnet und der Ballon nach der Landung auch wiedergefunden werden.

Während sich die Schüler im Vorfeld der Mission im Geographieunterricht mit ihrem Kursleiter Andreas Königer das meteorologische Hintergrundwissen zu Aufbau und Dynamik der Atmosphäre angeeignet hatten, brachten die Pockinger und Passauer Funkamateure ihr geballtes technisches Wissen und Können in das Projekt ein. Die Funkamateure um die beiden Ortsvorsitzenden Jochen Kunz (Pocking) und Hans Reiser (Passau), die beruflich im IT-Bereich beim Sensorenhersteller Mirco-Epsilon, der Universität Passau und der TU Graz beschäftigt sind, kümmerten sich um die Konfiguration der Messtechnik und die Funkverbindung zur Erde. Die Koordination des Projekts lag bei Holger Megies (Wilhelm-Diess-Gymnasium). Ein besonderer Dank gebührt in diesem Zusammenhang der Micro-Epsilon GmbH, die das Helium für den Wetterballon zur Verfügung stellte, sowie Herrn Adam Müller vom Gase-Lager Müller in Oberindling, der kurzfristig freundlicherweise mit einem passenden Ventil aushalf.

Somit war nach umfangreichen Vorbereitungen und langem Zittern am Starttag die Freude groß, als es um kurz vor 12 Uhr Mittag am Samstag doch noch hieß „Leinen los!“ und der Ballon mit seiner Messsonde im Schlepptau in den Himmel über Pocking entschwebte. Auf seinem gut 2-stündigen Flug erreichte er eine Höhe von 26 km (zum Vergleich: Die Reiseflughöhe von Langstreckenflügen liegt bei etwa 10 km) und stieß damit nach der Durchquerung der untersten Schicht der Atmosphäre, der Troposphäre (bis 10 km Höhe), in die Stratosphäre (10-50 km Höhe) vor, die u.a. die bekannte Ozonschicht enthält, in der sich aus dem Luftsauerstoff (O2) unter Einwirkung des Sonnenlichts Ozon (O3) bildet. Dies erkennt man auch an den Messdaten, die die Wettersonde aufgezeichnet hat: Während bis in 10 km Höhe die Temperaturen auf -30°C abfielen, begannen sie darüber wieder zu steigen und lagen in 25 km Höhe nur bei etwa -7°C. Diese Temperaturerhöhung wird durch die (für uns Menschen lebensnotwendige) Absorption des UV-Lichts in der Ozonschicht verursacht. Gleichzeitig bewegte sich der Ballon in 26 km Höhe schon fast im luftleeren Raum: Der Luftdruck dort betrug nur noch 21 Hektopascal (hPa), während er am Boden gleichzeitig bei 980 hPa lag.

Nach 2 Stunden Flug landete der Ballon am Fallschirm in einem Waldstück westlich des Moldaustausees etwa 60 km nordöstlich von Pocking, wo er von einem glücklichen Verfolgerteam geborgen werden konnte.


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aktualisiert: 30.10.2016