Eine Welt – viele Perspektiven
11. Klasse des WDG stellt beim Farben.Freude-Festival in Pocking aus
Am Samstag, den 9. Mai, wurde der Pockinger Stadtplatz beim Festival „FarbenFreude“ zu einem lebendigen Treffpunkt für Kunst, Begegnung und kulturellen Austausch. Unter dem Motto „bunt, multikulturell und vielfältig“ präsentierten die 11. Klassen des Wilhelm-Diess-Gymnasiums ihre Ausstellung „Eine Welt – viele Perspektiven“ und zeigten dabei eindrucksvoll, wie unterschiedlich Menschen Orte, Heimat und Landschaft wahrnehmen. Bei sonnigem Wetter und regem Besucherandrang entstand den ganzen Tag über ein buntes Treiben auf dem Stadtplatz. Zahlreiche Gäste betrachteten die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler mit großem Interesse. Besonders beeindruckten dabei die Vielfalt der Ideen, die persönliche Tiefe der Werke und die intensive gedankliche Auseinandersetzung mit dem Thema Raum und Wahrnehmung.
Die im Kunstunterricht bei Frau Joris-Roth und Frau Dorn entstandenen Arbeiten reichten von Zeichnungen und Collagen bis hin zu plastischen Modellen und Stickerei. Viele Werke verbanden persönliche Erinnerungen mit gesellschaftlichen Fragestellungen oder neuen Sichtweisen auf bekannte Orte. So setzte sich Ivana Turic in ihrem Projekt mit ihrer kroatischen Herkunft auseinander. Ihre Arbeit verband persönliche Erinnerungen an ihre Kindheit in Djakovo und an zahlreiche Aufenthalte in Umag mit modellierten Miniaturen kultureller Sehenswürdigkeiten kroatischer Städte. Heimat erschien dabei nicht als ein einzelner Ort, sondern als emotionaler Raum zwischen Erinnerung, Familie und kultureller Identität. Auch Thea Grabmeier griff persönliche Erfahrungen auf und verarbeitete ihre Reise in den Senegal. Eindrücke von Menschen, Begegnungen und kulturellen Symbolen Afrikas prägten ihr Werk, das deutlich machte, wie sehr Reisen den eigenen Blick auf die Welt verändern können.
Mehrere Arbeiten beschäftigten sich kritisch mit der Stadt Pocking selbst. Helen Miller thematisierte in ihrem Werk den Eindruck leerstehender und trostlos wirkender Orte und verband dies mit dem Wunsch nach mehr Farbe, Lebendigkeit und Veränderung im Stadtbild. Einen ähnlichen Gedanken griff Jana Frank in ihrer Collage „Blühendes Pocking“ auf. Schwarz-weiße Fotografien zeigten die Stadt in fragmentierten und teilweise verlassen wirkenden Ansichten, während florale Elemente bewusst einen hoffnungsvollen Kontrast setzten und den Wunsch nachpositiver Entwicklung ausdrückten. Andere Schülerinnen und Schüler entwickelten sehr individuelle Formen subjektiver Kartografie. Lyssa Wojcik zum Beispiel stellte ihr Leben als Straße dar – vom Krankenhaus ihrer Geburt über frühere Wohnorte bis hin zum heutigen Zuhause. Die Wege symbolisierten dabei nicht nur reale Straßen, sondern auch persönliche Entwicklung und die Idee, dass es immer einen neuen Weg geben kann. Auch Leni Steinberger interpretierte Pocking als lebendigen Organismus. Ihr modernes Pferd – das Wahrzeichen der Stadt – bestand aus einem Stadtplan, dessen Straßen wie Adern funktionierten und die Stadt als etwas Dynamisches und Lebendiges darstellten. Einen besonderen Blick in andere Dimensionen eröffnete Isabella Kupfberger mit ihrer Darstellung des Nachthimmels. Statt klassischer Sternbilder standen dort bedeutende Frauen wie Elisabeth Selbert, Claudette Colvin oder Shirley Ann Jackson im Mittelpunkt – Persönlichkeiten, deren Leistungen häufig zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Ergänzt wurde das Werk durch astronomische Darstellungen von Sternhaufen, Nebeln und schwarzen Löchern sowie die Schulsternwarte des Wilhelm-Diess-Gymnasiums.
Die Ausstellung zeigte eindrucksvoll, wie kreativ, reflektiert und persönlich sich die SchülerInnen mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Gerade die Verbindung aus individuellen Erfahrungen, gesellschaftlichen Themen und künstlerischer Vielfalt machte die Arbeiten so besonders.
(PNP vom 11.05.2026)




