Auf dem Weg zur friedlichen Revolution
10. Klassen des Gymnasiums Pocking auf Jahrgangsstufenexkursion nach Sachsen
45 Jahre Opposition und Widerstand waren der zeithistorische Schwerpunkt der Jahrgangsstufenexkursion der 10. Klassen des Gymnasiums Pocking. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich anhand von Quellenmaterial mit den Bürgerrechts-, Friedens- und Umweltbewegungen der 1980er-Jahre in der DDR und gingen in Dresden den Weg der ersten Montagsdemonstration nach.
Zeitzeugin Monika Ulbricht berichtete in der Prager Straße eindrucksvoll von der Angst vor dem aufgelaufenen Militär und den bewaffneten Polizisten: „Es gibt Krieg“ sei ihre unmittelbare Befürchtung angesichts des übermächtig erscheinenden Staatsapparates gewesen. Dass es anders kam, sei auch dem Geschick der „Gruppe der 20“ zu verdanken, die am 8. Oktober 1989 von den Demonstranten bestimmt wurde und am folgenden Tag mit den Behörden verhandelte.
Bereits beim Besuch des Deutsch-Deutschen Museums in Mödlareuth konnten die 10.-Klässler die Repressalien und die Einschränkung der Reisefreiheit erfassen. Die Besichtigung der Grenzsperranlagen unter fachkundiger Leitung von Geschichtslehrer Andreas Königer ließ erkennen, dass ein ganzes Volk wie eingesperrt zu sein schien.
Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden zeigte Ursachen und Folgen von Krieg und Gewalt. Der Diskurs über die Rolle von Militär und Krieg in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft machte deutlich, dass die atomare Aufrüstung im Kalten Krieg als Gleichgewicht des Schreckens zu verstehen war. In ausführlichen Diskussionen reflektierten die Schülerinnen und Schüler die Notwendigkeit echter Friedensbereitschaft und die Konsequenzen für eine Friedensethik heute.
Auch die Kultur kam nicht zu kurz: In der Semperoper erlebten die Jugendlichen ein Tanztheater über das bewegte Leben der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo. In der St.-Pauli-Ruine stand Monty Pythons „SPAMALOT“ auf dem Programm, ein Musical nach „Die Ritter der Kokosnuss“.
Weitere Stationen führten ins Elbsandsteingebirge, in die Lausitz und nach Görlitz. Besonders die Stadt an der Neiße bot Gelegenheit, sich mit historischen Entwicklungen und der Bedeutung der Oder-Neiße-Linie auseinanderzusetzen. Die Stasi-Gedenkstätte Bautzen machte anhand von Biografien ehemaliger Häftlinge die Folgen eines Überwachungsstaates erfahrbar. „Nie wieder“ sei jetzt, betonte eindringlich ein Guide der Gedenkstätte.
Beim Besuch Leipzigs auf den Spuren der Montagsdemonstrationen zur Nikolaikirche wurde die Frage nach den Grundlagen von Demokratie und Meinungsvielfalt erneut aufgegriffen. Pfarrerin Marion Hegwein erläuterte die Bedeutung des biblischen Leitworts „Schwerter zu Pflugscharen“ und stellte es als Auftrag für alle Menschen heraus, die sich für einen gerechten und dauerhaften Frieden einsetzen. Der Besuch der Stasi-Gedenkstätte „Runde Ecke“ mit der Ausstellung „Geschichte der Friedensbewegung – Aufbruch zum 7. Mai 1989“ zeigte die Arbeit der Leipziger Opposition bis zum Sturz der SED-Diktatur.
Exkursionsleiter Stephan Wrana forderte die Schülerinnen und Schüler abschließend auf: „Achtet stets auf Meinungsvielfalt und Debattenkultur, die beste Garantie, dass Einzelmeinungen nicht untergebuttert werden und dass ihr euch eure Freiheit erhaltet! Darum zu kämpfen, lohnt heute mindestens so sehr wie vor 45 Jahren!“
Die Förderung durch die Landeszentrale für politische Bildung, die Sparkassenstiftung Passau und den Elternbeirat des Pockinger Gymnasiums ermöglichte das reichhaltige Programm.
(PNP vom 19.08.2026)
